Buchtipp

Von Kolonisatoren und Kolonisierten

Von Uta Luise Zimmermann-Krause

Mit einer einzigartigen Gesamtdarstellung der europäischen Expansion in dem Buch «Die Unterwerfung der Welt – Eine Globalgeschichte der europäischen Expansion 1415 – 2015» legt der preisgekrönte Historiker Wolfgang Reinhard einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Kolonisation vor. 600 Jahre lang haben vor allem Europäer die Welt erkundet, bezwungen und Etliches eingebracht. Am Ende war ein weltgeschichtlicher Vorgang, der die Handelswege in Asien und jenseits des Atlantiks prägte.

Plinius formte einst den Topos: «Geld folgt dem Pfeffer.» Damit ist schon fast alles erklärt, denn am Anfang waren es die Gewürze, nach denen Händler und Abnehmer gierten. Doch auch der prächtig rote Farbstoff, den die Koschenille-Schildlaus liefert, war willkommen zur Farbgebung an Gemälden, kostbaren Seidenstoffen, und nicht zuletzt landete diese Kostbarkeit auch in den Schminktöpfen der Reichen. 24 übersichtlich gegliederte Kapitel nehmen 600 Jahre europäische Expansion in den Blick mit Bezug auf den Atlantischen Ozean, der überseeische Handelsruten ab dem Zeitpunkt lieferte, als geeigneter Schiffsbau es möglich machte, auch auf dem Wasserweg Land zu erobern und die Ansässigen zu unterwerfen.

Ob Portugiesen, Spanier, Niederländer, Engländer und Franzosen, alle Nationen sprachen dem Handel mit Heringen, Gewürzen, Kupfer, Gold, Silber, Sklaven und noch mehr zu und gründeten Kolonien – auch jenseits des Atlantik. Selbst in einem trocken gelegten Moor an der Oder errichtete man eine Kolonie durch Neuansiedlung. Die europäische Ausbreitung über die Erde ist ein neuzeitlicher Vorgang. Aber sie hat eine Vorgeschichte, die bis in die Antike zurückreicht. Von besonderer Wichtigkeit sind bestimmte geohistorische und kulturelle Strukturen, sind die Monsunwinde, die Wüsten, die Karawanenstädte, die Nomaden, die geringe Nachfrage nach europäischen Waren auf asiatischen Märkten und der daraus resultierende Edelmetallabfluss nach Osten von der Römerzeit bis ins 18. Jahrhundert. Die Beziehungen zwischen Asien und Europa beginnen schon mit Europas Vorgängern, den Griechen, in der Antike. Ebenso gewann Seehandel zwischen dem Mittelmeerraum und Indien seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. an Bedeutung.

Das römische Reich importierte neben Gewürzen wie Pfeffer, Kassiarinde, Zimt, auch Edelsteine, Perlen, Elfenbein, Pelze, Metallwaren und vieles mehr aus Indien. Damit floss Gold aus Europa gegen Luxusartikel und Gewürze aus Indien. Und so kam auf den Handelswegen auch das Christentum nach Indien. Griechen ließen sich nieder in Iran und Indien, während die Römer keine Niederlassungen gründeten. Wenig später brach das weströmische Reich zusammen. Durch Verschränkung mit germanischen Völkern und durch die Mission der römischen Kirche entstand die Christenheit und Europa.

Im 8. Jahrhundert wurden die Sarazenen zu einer ernsten Plage, denn sie bemächtigten sich des Nahen Ostens, setzten sich sogar in den Westalpen, in Nordafrika, Spanien, Frankreich fest und standen 717 zum ersten Mal vor den Toren Konstantinopels.

Wenig später waren in Ägypten und Spanien konkurrierende Kalifate entstanden.

Und seit dem 10. Jahrhundert spielten im Nahen Osten muslimische Turkvölker eine einflussreiche Rolle. Dies alles prägte die Grundlagen der neuzeitlichen europäischen Expansion.

Wer mehr wissen möchte zum transatlantischen Handel, den Aktivitäten europäischer Völker, den Kaiserreichen Ostasiens, der Kolonialherrschaft in Indien, Indonesien, auf den Philippinen, wie sich der Imperialismus in Afrika auswirkte, zur orientalischen Frage und den Ersten Weltkrieg sowie zum Zweiten Weltkrieg, der Dekolonisation Asiens, dem Spätkolonialismus und Dekolonisation Afrikas sowie zu einer Bilanz und einem Ausblick, dem sei das Buch mit der umfassenden Darstellung der Menschheitsgeschichte «Die Unterwerfung der Welt – Eine Globalgeschichte der europäischen Expansion 1415 – 2015» an die Hand empfohlen.

Wolfgang Reinhard,
Die Unterwerfung der Welt. 3. Auflage,  
1648 Seiten, 122 Abbildungen und Karten,
15,8  x  24 cm, Leinen, Schutzumschlag,
Verlag C.H.Beck, 2016,
ISBN 978-3-406-70381-2  
Verkaufspreis: 58,00 EUR