Buchtipp

Von den Anfängen bis zur Gegenwart

Von Uta Luise Zimmermann-Krause

Der renommierte Historiker und Vatikan-Experte Volker Reinhardt gehört weltweit zu den besten Kennern der Papstgeschichte. Nach dreißigjähriger Forschung zur Geschichte Roms und des Papsttums legt er sein neuestes Buch «Pontifex – Die Geschichte der Päpste. Von Petrus bis Franziskus» zur Gesamtgeschichte der Päpste vor.

Faszinierend und leicht verständlich, schildert der Autor, wie die Bischöfe von Rom den Primat über alle Bischöfe erwirkten. Leicht war es niemals für die Päpste - weder in der Antike, noch im Mittelalter – letztlich die Hoheit über Könige und Kaiser durchzusetzen. Die Päpste agierten über die Jahrhunderte fast ebenso wie weltliche Herrscher, um den Kirchenstaat zu vergrößern und gleichzeitig die Erhöhung der eigenen Familie im Blick zu haben. Vor allem im Zeitalter der Renaissance und des Barock entstanden unzählige Zeugnisse, die allesamt mit erhabenem künstlerischem Ausdruck von Mystik und Überhöhung der Kirchenleute erzählen. Erst seit Ende des 20. Jahrhunderts öffneten sich die Päpste zur Moderne hin und verließen das Stigma des Ewiggestrigen.

Es grenzt an ein Wunder, dass sich trotz Krisen und Machtkämpfe das Papsttum bis heute erhalten hat. «Papa» wurden die Bischöfe von Rom seit dem 5. Jahrhundert genannt, doch im 11. Jahrhundert gehörte ihnen diese Ehrenbezeichnung allein. Sie alle waren die Nachfolger Petrus, desjenigen Apostels, der in Rom angeblich gestorben war und im Grab unter dem Petersdom die selige Ruhe fand. Im 20. Jahrhundert fanden Archäologen hier eine Totenstadt, in der ein nicht mehr auffindbares Grab auch für andere Bestattungen diente und ab dem Jahr 150 besondere Verehrung genoss. Als Beweis für die letzte Ruhestätte des Petrus jedoch kann es nicht dienen. Ebenso der Kult, der sich seit dem 2. Jahrhundert um den mons Vaticanus entfaltete und mit der Errichtung einer Basilika durch Kaiser Constantin eine Erweiterung fand, zeugt nur von althergebrachter Tradition, nicht aber von historischen Fakten. Das Phänomen Petrus steht also für eine imaginäre Kontinuität, wenn die im Matthäus-Evangelium die Worte Christi an Petrus hinzugezogen werden, die im Inneren von Michelangelos Petersdom-Kuppel in übergroßen Lettern verewigt sind: «Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwinden. ich werde dir die Schlüssel des ewigen Reichs geben. Und alles, was du auf Erden binden wirst, wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein.» Diese Verheißung wurde zum Auftrag für die Bischöfe. Selbst in der Zeit des Großen Schismas von 1378 wurden die Verse des Matthäus-Evangeliums als Rechtfertigung für die Oberhoheit des Konzils gedeutet, so dass jetzt Petrus für die Kirche in ihrer Gesamtheit stand. Im 16. Jahrhundert griff sogar der Reformator Martin Luther auf Eleutherus, den Vorsteher der römischen Gemeinde, zurück, und aus Martin Luder wurde Luther, denn Eleutherus war ihm nicht volkstümlich genug (d.A.).

Wenn es darum ging, Widersacher auszuschalten, waren Kaiser wie Päpste zum Letzten bereit, wie es das Schicksal von Papst Pontian deutlich macht. Ihn verurteilte Kaiser Maximinus Thrax 235 zur Zwangsarbeit in einem Bergwerk Sardiniens, was einem Todesurteil gleichkam. Später setzte man unliebsame Päpste in der Engelsburg fest und ließ sie verhungern. Es sollten viele Jahrhunderte vergehen, bis man sich über den Ritus zur Taufe, über den Umgang mit der weltlichen Obrigkeit oder zu Primatansprüchen geeinigt hatte. Besonders in der Regierungszeit der Ottonen kam es vor, dass der Kaiser Päpste ein- oder absetzte, denn sie alle träumten von einem neuen Rom. Das führte bei den nachkommenden Saliern zum Investiturstreit und löste eine heftige Krise im römisch-deutschen Reich aus. Debatten über Simonie und illegale Besetzungen kirchlicher Ämter zogen weite Kreise und sorgten stets für Unruhe. Am Ende des Machtkampfes zwischen Papst und Kaiser um die Hoheit über die Kirche ließ Papst Calixtus II. im Lateran Fresken malen, auf denen sich Päpste und Gegenpäpste gegenüberstehen. Um prunkvolle Kirchen und Paläste und ein nicht weniger aufwendiges Leben zu finanzieren, war man durch den Verkauf von «Gnaden»  darauf bedacht, die Einnahmen zu mehren. Doch wehe wenn ein wankelmütiger pathologisch geizig ausgeprägter Papst wie Clemens VII. zwischen zwei rivalisierende Herrscher Karl V. und Franz I. gerät, so ist das Unheil unaufhaltsam, führte zum «Sacco die Roma» und machte den Papst zum Spielball des Kaisers. Auf eine rund zweitausendjährige Geschichte blickt das Papsttum zurück, ausgestattet mit Höhen und Tiefen und schicksalhaften Begebenheiten aller Beteiligten, und dennoch formt gerade heute in der Moderne Papst Franziskus wie kein andere die Kirche im Sinne Christi.      

Volker Reinhardt
Pontifex – Die Geschichte der Päpste. Von Petrus bis Franziskus  
928 Seiten, 109 Abbildungen, 4 Karten, gebunden,
21,0  x  29,7 cm, Hardcover, Schutzumschlag,
Verlag C.H.Beck, 2017,
ISBN 978-3-406-70381-2  
Verkaufspreis: 38,00 EUR